Wechseljahre

Hormone

Die Hormontherapie in den Wechseljahren ist in den letzten Jahren immer mehr umstritten. Die Medien zeigen alle Nachteile auf, insbesondere das Brustkrebsrisiko. Kaum werden je die Vorteile der Hormongabe dargestellt. Als Arzt wird mir schon fast Körperverletzung unterstellt, wenn ich Hormone verordne. Ich sei der Pharmaindustrie hörig. Genausogut kann ich den Kritikern unterstellen, dass sie nur die Kosten für die Hormone einsparen wollen.

Inzwischen schreiben sogar Krankenkassen ihre Patientinnnen an, um sie über die "Risiken" der Hormoneinnahme zu informieren. Sie würden sich die Kosten dafür gerne sparen. Selbst das Bundesministerium für Gesundheit hat extra eine Broschüre zur Warnung der Frauen vor Hormonen aufgelegt.

Ich gebe hier also Informationen über die Hormontherapie
und sage auch meine Meinung dazu.

Ich halte die Beschwerden der Wechseljahre durchaus für eine Krankheit! Sie können die Lebensqualität der Frau sehr deutlich beeinträchtigen. Sie sind nicht nur eine Störung des Befindens. Insbesondere berufstätige Frauen fühlen sich sehr stark beeinträchtigt. Warum soll ich sie dann nicht behandeln? Es gibt doch eine wirksame und relativ preiswerte Therapie. Und wie bei jeder Therapie muss man die Vor- und Nachteile individuell abwägen.

Es ist klar und eindeutig belegt, dass mit einer Gabe von Östrogenen die typischen Beschwerden der Wechseljahre (Hitzewallungen, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Leistungsminderung...) deutlich vermindert werden können. Die Östrogene, die die Frau bis dahin selbst produziert hatte, werden als Hormonersatz von außen zugeführt. Frauen mit starken Beschwerden profitieren eindeutig von dieser Therapie. Die Zeit, in der die Beschwerden anhalten, kann Monate bis viele Jahre anhalten. Das bemerken viele Frauen, die nach einer Zeit mal eine Pause machen und erneut Probleme bekommen. Aber irgendwann sind die typischen „Wechseljahrsbeschwerden“ vorbei. Und es gibt auch Frauen, die überhaupt keine oder nur sehr leichte Symptome haben.

Es ist auch lange bekannt, dass die alleinige Gabe von Östrogenen bei Frauen, die noch ihre Gebärmutter haben, ein erhöhtes Risiko für einen Krebs der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumkarzinom) verursacht. Darum müssen diese Frauen zusätzlich ein Gestagen bekommen. Damit wird sogar die „natürliche“ Rate dieser Krebserkrankung reduziert.

Östrogene sind wichtig für den Knochenaufbau und der natürliche Hormonmangel nach den Wechseljahren führt bei einem Drittel der Frauen zu einer Osteoporose. Eine Östrogengabe kann diesen Knochenabbau verlangsamen. Es gibt weniger Oberschenkelhalsbrüche und die Sterblichkeit an Osteoporose wird gesenkt.

Nun werden die Östrogene seit Jahren sehr häufig eingesetzt. Und aus vielen Beobachtungen hat man geschlossen, dass die Gaben von Östrogenen nach den Wechseljahren die Frau vor Herz-Kreislaufkrankheiten schützt. Das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu bekommen, war bei Beobachtungsstudien reduziert. Man ging davon aus, dass die Östrogene eine schützende Wirkung auf die Blutgefäße entfalten, wenn man früh in den Wechseljahren mit der Therapie beginnt ("Window of Opportunity").

Die WHI Studien 2005

Die Studie der Women's Health Initiative hat 2005 viel Wirbel gebracht und die Hormone sind fast in Verruf geraten. Inzwischen relativieren Selbst die Autoren die nicht immer korrekte Interpretation der Daten. Und auch in den Leitlinien werden Hormone für Frauen mit Beschwerden wieder befürwortet.

Soll ich Hormone nehmen?

Man kann dazu nicht einfach JA oder NEIN. Wie jede Therapie muss das Für und Wider im Indvidualfall abgewogen werden.

Für Ihre persönliche Entscheidung hier 3 Fallbeispiele:

Fall 1:
Frau nach den Wechseljahren, ohne Beschwerden. Nimmt bisher keine Hormone.

Ohne besonderen Grund sollte man keine Hormoneinnahme beginnen. Die Langzeitrisiken überwiegen wohl die Nutzen. Ein Grund könnte eine Osteoporose sein. Dann müssen die anderen Risiken aber sorgfältig abgewogen werden.

Die Östrogene haben viele positive Wirkungen für die Frau. Auch im Sinne einer "Anti-Aging" Behandlung kann man durchaus Hormone geben. Insbesondere eine niedrige Dosis über die Haut (Plaster oder Gel) hebt oft deutlich die Lebensqualität

Fall 2:
Frau mit Wechseljahrsbeschwerden

Bei starken Beschwerden und Leidensdruck halte ich die Einnahme von Hormonen für sinnvoll und nützlich! Die Beschwerden lassen nach. Die Lebensqualität steigt. Die Wahrscheinlichkeiten für Darmkrebs, Endometriumkrebs und Osteoporose gehen zurück. Das Risiko für Brustkrebs erhöht sich nur, wenn auch Gestagene gegeben werden (weil die Frau noch ihre Gebärmutter hat). Es steigt aber erst mit längerer Einnahme. Das Thromboserisiko dagegen ist zu Beginn der Hormoneinnahme erhöht. Darum muss man das Risiko dafür abschätzen.
Die Entscheidung für oder gegen Hormone ist immer eine individuelle Entscheidung, die die Frau nach Beratung druch den Frauenarzt für sich treffen muss.

Fall 3:
Frau nimmt Hormone wegen Wechseljahrsbeschwerden

Je nach Einnahmedauer und Art der Hormone (Kombination oder nur Östrogene) sollte sie die Hormone weiter nehmen (siehe Fall 2) oder einen Auslaßversuch machen: Hat sie ohne Hormone keine Beschwerden mehr, braucht sie sie nicht weiter zu nehmen.
Bei einem hohen Risiko für eine Osteoporose oder Beschwerden der Scheide oder Blase kann eine weitere Einnahme aber sinnvoll sein. Entscheiden muss die Frau selber, ich als Arzt kann nur Hilfestellung bei dieser Entscheidung geben. Wenn keine besonderen Risikofaktoren vorliegen, ist eine weitere Einnahme sicher vertretbar.

Was ist die richtige Therapie?

Wie jede Therapie muss auch die Gabe von Hormonen in den Wechseljahre individuell ausgesucht werden. Die Gabe der Östrogen über die Haut in einer niedrigen Dosierung ist sehr sicher. Eine Frau mit Gebärmutter bracht aber auch Gestagene dazu, die gibt es (außer im Kombipflaster) noch nicht über die Haut. Wenn sie noch eine Mirena liegen hat , reicht das meist. Sonst muss sie Gestagentabletten dazu nehmen.

Aber weil man auch Begleitkrankheiten und besondere Vorteile der Hormone (z.B. antindrogene Wirkung) abwägt, sind für viele Frauen auch Tabletten sinnvoll. Heute meist ohne Pause, also ohne Blutungen.