Kinderwunsch

Das beste Alter für ein Baby

Mütter, die man auf den ersten Blick für die Schwester ihrer Tochter oder ihres Sohnes hält, werden immer seltener. Nach aktuellen Angaben des Berufsverbandes der Frauenärzte wird heute jedes siebte Baby in Deutschland von einer Mutter über 35 Jahre geboren. Auch Frauen, die jenseits der 40 entbinden, sind keine Seltenheit mehr. Im letzten statistisch aufgeschlüsselten Jahr 1996 hatten 14 569 Mütter bei ihrer Niederkunft diesen Geburtstag bereits hinter sich. 567 waren sogar über 45 Jahre alt. Bei Schwangerschaften in diesem Alter sind die "Umstände" tatsächlich etwas "andere" als in jüngeren Jahren. Doch von einer erhöhten Gefahr für Mutter oder Baby kann bei optimaler Betreuung nicht die Rede sein, heißt es in einer soeben veröffentlichten Stellungnahme des Gynäkologenverbandes.

Vor 100 Jahren brachte bereits eine werdende Mutter mit 30 die Alarmglocken der Geburtshelfer zum Läuten. So berichtet ein "Handbuch der Geburtshülfe" aus dem Jahre 1888, daß im Königreich Sachsen 13 Prozent aller "älteren Erstgebärenden" (und dazu zählten damals alle Schwangeren über 30!) bei der Geburt starben. Die Sterblichkeit der Babys dieser Mütter lag bei 11 Prozent.

Heute liegt in Deutschland das Durchschnittsalter bei der Geburt des ersten Kindes nur knapp unter der damals so gefürchteten Gefahrengrenze, nämlich bei 29 Jahren! Die Mutterschaftsrichtlinien stufen zwar alle werdenden Mütter über 35 auch heute noch als "Risikoschwangere" ein, doch Bezeichnungen wie "ältere" oder gar "alte" Erstgebärende kommen auch bei Ärzten mehr und mehr aus der Mode.

Die Geburt bei "fortgeschrittener Jugendlichkeit" der Mutter wird mehr und mehr zum alltäglichen Ereignis, das dazu in den allermeisten Fällen auch ohne Komplikationen verläuft. Denn trotz des deutlich gestiegenen Gebäralters der Frauen ist die schwangerschafts- und geburtsabhängige Sterblichkeit in Deutschland auf früher unvorstellbar niedrige Werte gesunken.

So liegt der Anteil der Todesfälle von Babys bis zum siebten Lebenstag nach den aktuellsten Daten der Perinatalstudien bei nur 0,66 Prozent. Dieser Anteil liegt bei Müttern über 35 Jahre zwar etwas höher, die Unterschiede sind jedoch noch nicht "statistisch signifikant".

Der Berufsverband der Frauenärzte betont allerdings mit Nachdruck: Um die Chancen auf eine komplikationsfreie Geburt zu wahren, brauchen Frauen über 35 Jahre eine intensivere Betreuung. Schließlich sind die Jahre von Berufsausbildung, Karriere und Selbstverwirklichung nicht völlig spurlos an ihrem Organismus vorübergegangen. Herz und Kreislauf, Bewegungsapparat und Stoffwechsel werden in diesem Alter durch eine Schwangerschaft unter Umständen stärker beansprucht als im nach wie vor als ideal geltenden Gebäralter zwischen 25 und 29 Jahren.

Wer über 35 schwanger wird, sollte deshalb schon möglichst früh den Frauenarzt/die Frauenärztin zur ersten Schwangerschaftsuntersuchung aufsuchen und danach möglichst alle angebotenen Vorsorgetermine gewissenhaft wahrnehmen. Wird diese Chance der heutigen Möglichkeiten der medizinischen Überwachung und Betreuung genutzt, gibt es keinen Grund mehr, einer Frau jenseits des 35. Lebensjahres von einer Schwangerschaft abzuraten.

Der beste Zeitpunkt für ein Kind ist heute dann, wenn die Frau und ihr Partner sich reif und bereit fühlen, es zu bekommen und großzuziehen, unterstreicht der Berufsverband der Frauenärzte.

Folsäure - das Vitamin für gesunde Babys

Vitamine sind populär. Ihre Nützlichkeit ist unumstritten, sie werden als Garanten für Fitneß und Wohlbefinden geschätzt. Doch eines unter ihnen ist den meisten Frauen und Männern so gut wie unbekannt. Dabei erweist gerade dieses Vitamin den Menschen schon vor der Geburt unschätzbare Dienste, meint der Berufsverband der Frauenärzte in einer aktuellen Stellungnahme.
Diese wertvolle Unbekannte heißt Folsäure. Sie gehört zu der Gruppe der B-Vitamine und ist zusammen mit dem Vitamin B12 an der Bildung und Reifung von roten Blutkörperchen beteiligt. Der Organismus benötigt dieses Vitamin für Zellteilung, Fortpflanzung und Wachstum. Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Folsäure auf das Doppelte an. Wie wichtig Folsäure tatsächlich ist, wurde von der Wissenschaft erst in den letzten Jahren mehr und mehr erkannt, berichtet der Berufsverband der Frauenärzte. Heute wisse man: Ein Mangel an Folsäure kann zu Blutarmut, Verdauungsstörungen und Veränderungen der Mundschleimhaut führen. Auch an der Entstehung von Herzkrankheiten ist ein Mangel an Folsäure beteiligt.
Außerdem weiß man inzwischen, daß Folsäure für die gesunde Entwicklung von Rückenmark und Gehirn des ungeborenen Kindes eine wichtige Rolle spielt: Sie kann die Entstehung von sogenannten Neuralrohrdefekten verhindern. Als Neuralrohr wird eine Vorstufe des Zentralnervensystems bezeichnet. Dieses Gebilde verschließt sich etwa in der vierten Schwangerschaftswoche, zu einem Zeitpunkt, an dem die meisten Frauen noch gar nicht wissen, daß sie schwanger sind. Wächst dieses Rohr gar nicht oder nur unvollständig zusammen, drohen folgenschwere Mißbildungen des Nervensystems, heißt es in der Mitteilung des Frauenarztverbandes: Das Baby leidet zum Beispiel an einer sogenannten "Meningomyelozele", einer Art Ausbeulung des Rückenmarks, oder an einer "Spina bifida" (= offener Rücken). Die möglichen Folgen sind Lähmungserscheinungen und lebenslange Störungen wichtiger Funktionen von Blase, Darm, Muskulatur und Haut.
In Deutschland sind pro Jahr etwa 800 Kinder von solchen Neuralrohrdefekten betroffen. Eine ausreichende Versorgung mit Folsäure könnte dieser fatalen Entwicklung vorbeugen. Sie ist jedoch im Alltag nur schwer zu sichern, bedauert der Berufsverband der Frauenärzte. Es gibt zwar eine Reihe von folsäurereichen Nahrungsmitteln, zum Beispiel Salat, Spinat, Weißkohl, Brokkoli, Fenchel, Spargel, Vollkornprodukte, Sauerkraut und Kartoffeln. Leider kann der Körper aber nur einen Teil der darin enthaltenen Folsäure verwerten. Außerdem ist Folsäure sehr hitzeempfindlich, bei der Zubereitung geht daher ein großer Teil verloren.
Deshalb ist die aktuelle Folsäureversorgung in Deutschland als unsicher anzusehen. Die für Schwangere empfohlene Dosis von 400 Mikrogramm (= 0,4 Milligramm) Folsäure pro Tag nehmen zur Zeit nur etwa acht Prozent der werdenden Mütter zu sich. Die übereinstimmende Empfehlung von Frauenärzten, Kinderärzten und Ernährungsexperten lautet deshalb: Alle Frauen, die potentiell schwanger werden könnten, sollten täglich etwa 0,4 Milligramm Folsäure zusätzlich einnehmen. Dr. Armin Malter, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, fügt hinzu: "Wir Frauenärztinnen und Frauenärzte möchten allen Frauen, die sich ein Kind wünschen, nachdrücklich dazu raten, nicht erst in der Frühschwangerschaft ein Folsäurepräparat einzunehmen, sondern am besten schon von dem Zeitpunkt an, wenn sie sich zum Kinderkriegen entschlossen haben. Auf diese Weise können sie erreichen, daß ihr Körper bereits zu Beginn der Schwangerschaft optimal mit Folsäure versorgt und für den Empfang eines gesunden Kindes bereit ist." Folsäuretabletten müssen allerdings, wie andere Vitamine auch, zur Zeit von den Frauen selbst bezahlt werden. Dr. Malter: "Zum Glück ist dieses wichtige Vitamin schon zu einem Preis von etwa zwölf Mark pro Monat zu haben. Die Gesundheit des Babys sollte diesen Betrag wert sein."